"Der Schlüssel, der jeden Moment in etwas Kostbares verwandeln kann, heißt geistige Präsenz."
In einer schnellen Welt wieder lernen, das Leben zu spüren
Wir springen von Reiz zu Reiz, von Verpflichtung zu Verpflichtung. Und während uns die moderne Welt verspricht, uns das Leben zu erleichtern, sorgt sie permanent für Getriebenheit. Selbst wenn wir glauben zu entspannen, greifen wir zum Handy und lenken uns mit noch mehr Input ab.
Ein Grund, warum viele auf Social Media hängenbleiben, ist kein persönliches Versagen, sondern einfache Biologie: Jeder kleine Impuls — eine Nachricht, ein Like, ein lustiges Video — setzt einen winzigen Dopaminstoß frei. Diese vielen kleinen Belohnungsfunken können zu einer Gewohnheit werden, die stärker zieht, als wir wahrhaben möchten. Und so wird unsere kostbare Aufmerksamkeit - unser Bewusstseinsstrom - gebunden an Dinge, die uns beschäftigen, aber nicht nähren.
Wenn wir uns selbst nicht mehr spüren
Je schneller alles wird — und je mehr auf uns einströmt — desto weniger erreicht uns wirklich. Und irgendwann sitzt man da, nach dem ganzen Scrollen oder Springen durch den Tag, und spürt… nichts. Nicht einmal sich selbst. Ein Taubwerden, ein inneres Wegdriften. Nicht, weil wir schwach wären, sondern weil unser Nervensystem nicht dafür gemacht ist.
Ein anderes Tempo: das Jetzt
Wir (Sandra und Matthias) leben mittlerweile im Wald von Zentralportugal, weit weg vom Tempo der Städte. Und hier wurde uns etwas bewusst, das früher in der gelernten Betriebsamkeit kaum mehr spürbar war:
Das Jetzt hat seine eigene Geschwindigkeit. Und sie ist langsam. Nicht träge, nicht langweilig – sondern echt.
Wenn wir am Morgen den Holzofen einheizen und darauf unseren Kaffee kochen, dann wird dieser einfache Vorgang — in Präsenz getan — zu einem kleinen Fest für die Sinne. Der Duft und das Knistern des Feuers, das Mahlen der Bohnen, das Aufsteigen des frischen Kaffees: Alles erfüllt uns mit stillem Glück. Doch dieses Glück entgleitet, wenn wir in Gedanken verloren, mechanisch dasselbe tun.
Was entsteht, wenn wir wirklich da sind
Der Schlüssel, der jeden Moment in etwas Kostbares verwandeln kann, heißt geistige Präsenz. Echte Lebendigkeit ist kein fernes Ziel, das irgendwo auf uns wartet. Sie ist eine Entscheidung, die hier und jetzt — mitten im Alltag — getroffen werden kann.
Wir Menschen sehnen uns nach dem einen Wunder, das unsere innere Unruhe besänftigt und die Taubheit löst, die uns vom eigenen Leben trennt. Doch die Lösung ist näher, als wir oft glauben. Sie liegt in der Einfachheit — in der reinen Präsenz, im Gewahrsein für das, was wir in diesem Augenblick tun.
In dieser Form der Achtsamkeit geschieht etwas, das jeder Mensch kennt, der einmal wirklich zur Ruhe gekommen ist: Die eigene Innenwelt ordnet sich. Die Gedanken verlieren ihre Schwere. Und plötzlich wird sichtbar, was vorher im hektischen Takt verborgen war: die feinen, stillen Wunder des Lebens. Der Duft von Erde nach Regen. Ein Zuhören, das nicht unterbricht. Ein Satz, der nicht laut, aber wahr ist.
Rückkehr zum Wesentlichen
Wenn man hier in der ländlichen Region Portugals Feste feiert, stehen die Menschen zusammen, ohne das Bedürfnis, sich selbst oder andere zu inszenieren. Es wird nicht jede Minute gefilmt oder am Handy getippt. Die Menschen sind da – einfach da. Und diese Präsenz hat etwas zutiefst Heilsames.
Vielleicht ist das der eigentliche Verlust unserer schnellen Welt: die verlorene Fähigkeit, das Schöne und Wahre zu bemerken, während es sich zeigt. Präsenz schenkt uns das zurück. Sie verbindet uns mit der Welt — und zugleich mit uns selbst. Sie ist die unscheinbare Tür in eine Freiheit, die nichts mit Politik, Krisen oder äußeren Umständen zu tun hat. Es ist die Freiheit, wieder selbst zu spüren, was uns gut tut. Selbst zu entscheiden, was wichtig ist. Selbst anwesend zu sein.
Deshalb verschicken wir persönlich unsere Newsletter nicht regelmäßig, nicht strategisch, nicht algorithmisch optimiert — sondern nur dann, wenn wirklich etwas gesagt werden möchte. Weil Worte, die aus echter Aufmerksamkeit entstehen, mehr tragen als tausend schnelle Impulse.
Vielleicht ist das die Einladung dieses Textes: Nicht, alles zu verlangsamen. Sondern dort still zu werden, wo dein eigenes Leben schon seit Längerem sagt: „Ich brauche dich hier.“ Das Jetzt öffnet sich nur, wenn wir es wieder betreten. Alles beginnt, sobald du wieder hier bist.
Über die Autoren:
Sandra und Matthias leben an einem Ort, an dem das Tempo des Waldes den Atem bestimmt.
Dort, in einem achteckigen Haus voller Licht und Stille, erforschen sie, wie ein Leben aussieht, das wieder der eigenen inneren Wahrheit folgt.
Sandra verbindet Pflanzenwissen, Gesundheit und eine besondere Sensibilität für das Unsichtbare. Matthias begleitet Menschen an die Schwelle ihres eigenen Wesens — dorthin, wo Bewusstsein zur Heimat wird.
Gemeinsam erschaffen sie LANAPRINZIP (Lebe Artgerecht, Nicht Angepasst) - einen digitalen Herzensort, der nicht lauter, schneller oder voller werden möchte,
sondern tiefer, wahrer, stiller. Einen Ort für Menschen, die spüren, dass das Wesentliche niemals im Lärm liegt, sondern in der Rückkehr zu sich selbst.
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